Rhapsodie am Ende des »zerbrochnen Krugs«
Der Krug ist schon zerbrochen. Das Urteil gesprochen. Jetzt spricht Eve.
Maria Milisavljević setzt dort an, wo Kleist aufgehört hat – und lässt Eve allein auf der Bühne zurück, mit den Scherben einer Geschichte, die ihr niemand geglaubt hat. Was als persönliche Abrechnung beginnt, weitet und vertieft sich: Die Autorin verwebt Eves Erfahrung mit dokumentierten Fällen sexualisierter Gewalt, mit Gerichtsurteilen und Femizid-Statistiken – ohne die Grenze zwischen Figur und Zeugin je ganz aufzulösen.
Die Sprache ist dabei roh und präzise zugleich: Sie bricht mitten im Satz ab, nimmt sich zurück, beginnt neu – und trägt in dieser Struktur selbst das Bild einer Frau, die immer wieder zum Sprechen gezwungen wird, ohne gehört zu werden.
Die Rhapsodie verhandelt Victim Blaming, patriarchale und misogyne Rechtssysteme und die Frage, wem die Scham gehört – und wem sie zugewiesen wird.
Der Text kann als Epilog für Inszenierungen von Der zerbrochne Krug...
Maria Milisavljević
Zu ihren zentralen Arbeiten...
