Mein Name ist der Fluch
Hier stirbt Medea nicht. Sie stellt beim Bevölkerungsamt der Republik Kreon einen Antrag auf Namensänderung, um dem Stigma und ihrem Schicksal als Mörderin zu entkommen. Weil: »Mein Name ist der Fluch / Mit dem niemand zu schaffen haben will.«
Weil sie weiß, was ihr bevorsteht – und es trotzdem nicht verhindern kann. Wie ausbrechen aus der grausamen Geschichte und der Erzählung der eigenen Person.
In ihrem ersten Libretto für das Musiktheater verschiebt Ariane Koch die Frage nach Schuld und Determination radikal: Nicht die Taten Medeas stehen im Zentrum, sondern die Zumutung, eine objektifizierte Figur sein zu müssen. Die Sprache pendelt zwischen Antragsdeutsch und Versgesang, zwischen Altgriechisch und Gegenwart – und macht damit den Bruch mit allen Zuschreibungen selbst zum Thema.
Ariane Koch
