Zuhören #17: Kay Matter liest aus AUTOSTRADA SUPERTRANS

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In unserer Lesereihe ZUHÖREN präsentieren wir Autor:innen, die für uns aus einem ihrer Stücke lesen. In der aktuellen Folge liest Kay Matter aus AUTOSTRADA SUPERTRANS, ein Stück in drei Teilen, das am 3. Oktober 2025 (Regie Dennis Nolden), am 22. November 2025 (Regie*other issues (Jchj v. Dussel & Moritz Sauer)) und am 31. Januar 2026 (Regie Sarah* Claire Wray) seine Uraufführung am Schauspielhaus Zürich erlebte.

SuperTrans, Mega Trans, It’s trans-possible steht auf den Lastwagen, die sich die A6 Richtung Italien mit dem fragilen Oldtimer teilen. Darin sitzen Aldo und Matteo, seit kurzem erst Vater und Sohn, wortkarg und ziemlich ratlos. Ihre Gedanken türmen Monologe auf und ihre Gefühle drehen Loopings. Nur Ernesto, der blinde Chihuahua auf der Rückbank, ist wirklich entspannt und leckt heimlich am Testosteron-Gel. Bis vor kurzem war Matteo noch Isabella, der Sohn also eine Tochter und die Rollen gut eingespielt, aber jetzt durchlebt Matteo in seiner Transition eine zweite Pubertät und Aldo, Anfang siebzig, spürt seine eigene Vitalität schwinden. Beide struggeln mit ihren Körpern und einer als fragil empfundenen Männlichkeit und müssen, unverhohlen provoziert an Raststätten und Hotelrezeptionen, als Duo agieren. Eine gute Vorübung für ihre Ankunft im norditalienischen Heimatdorf, wo Le Nonne, die Quasigroßmütter, auf ihrer Bank schon sehnsüchtig auf Ereignisse warten.
Was als Roadtrip und überschaubarer Streckenabschnitt beginnt, mutiert in der Dorfgemeinschaft zu etwas ganz anderem: Der sezierende Blick des Großmütter-Chores lässt Matteo zu einem Monster werden, das sich unaufhaltsam verwandelt. Wenn Matteo auf Testo nachts loszieht, um Grindr-Dates und hoffentlich auch den Sohn des Dorfmetzgers zu treffen, ist er mit seinem eigenen neuen Begehren konfrontiert, aber auch mit dem tagsüber gut versteckten der anderen Bewohner:innen. Das Stück selbst verwandelt sich mit und changiert zwischen gut gelaunter Drag-Operette und uncanny Dämonisierungsmomenten.

AUTOSTRADA SUPERTRANS besteht aus drei Teilen (UNO, DUE, TRE) und ist ein berührendes, radikal offenes und darin zauberhaft komisches Stück über ungewohnte Perspektiven auf Männlichkeit, Queerness und über die Wandelbarkeit von Beziehungen. Dabei bringt Kay Matter eine analoge Welt und Sprache mit einer digitalen in Kontakt, alte Körper mit jungen, vitale mit zerbrechlichen. Getrennte Welten verflüssigen sich zueinander hin, das ist mutmachend, aufregend und sehr unterhaltsam.

Kay Matter, geboren 1998 in Zürich, studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin und Literatur, Theater und Philosophie an der Universität Hildesheim. Für Grelle Tage hat er den Gratzer Preis 2022 und den Nestroy-Theaterpreis 2023 verliehen bekommen. Sein Prosa-Essay-Debüt Muskeln aus Plastik (Hanser Berlin) hat viel Beachtung gefunden. 2025 hat er beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt gelesen.  
Kay Matter, geboren 1998 in Zürich, studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin und Literatur, Theater und Philosophie an der...
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Stücke


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