In unserer Lesereihe ZUHÖREN präsentieren wir Autor:innen, die für uns aus einem ihrer Stücke lesen. In der aktuellen Folge liest Marina Skalova – neu im Theater Verlag – aus ihrem Theaterstück Davon erholt man sich prächtig, aus dem Französischen von Annina Haab, frei zur Uraufführung.
Marina Skalova adressiert sich an ein Du: an den bei seiner Geburt als weiblich identifizierten Körper, der in eine patriarchal durchorganisierte Welt, in die sowjetische, hineingeboren wird. Sie begleitet diesen Körper in einer so analytisch scharfen wie poetisch radikal verdichteten Sprache in den Schlüsselmomenten seiner sexuellen Prägungen. Hier wird die Erfahrung eingebrannt wie eine Markierung auf unberührte Haut. Im Alter von zwölf im öffentlichen Raum, mit vierzehn auf Partys, dann in Betten und Beziehungen und schließlich auf der Entbindungsstation – »Als Glanzpunkt am Ende des Weges: ein Baby«!
Die Autorin schreibt für das Theater einen anonymen und zugleich intimen Lebenslauf der signifikanten Stationen, in dem sich unzählige Frauen wiederfinden werden. Verhandelt wird darin die wiederkehrende Erfahrung, dass der eigene Körper ent-eignet wird. Das geschieht nicht nur durch situative Grenzüberschreitungen, sondern auch durch die Gewalt der Sprache. Sätze als Handlungsdoktrinen werden an Mädchen, Teenagerinnen und Frauen repetitiv abgesendet wie gezielte Geschosse. Mit leisem Humor, gesammelter Wut und poetischer Kraft schlägt dieser Text auf der Bühne ein.