Leila und Madschnun
Ein Soldat liegt sterbend neben einem ausgebrannten LKW in der Wüste. In seiner Tasche: Nizamis Liebesepos, vollgesogen mit Blut. Was folgt, ist kein Krieg mehr – oder nur noch Krieg: Im Koma-Traum des Verwundeten verschmelzen Schlachtfeld und Liebesgedicht, die Grenzen zwischen den Figuren lösen sich auf und der Soldat wird zu Salam, der sein Idol Madschnun sucht.
Albert Ostermaier schreibt eine Librettofassung, die zwischen Prosa, Chorgesang und Verstext pendelt. Die Sprache selbst gerät »verrückt«, wie die Liebe es tut.
Das Stück verhandelt, was Krieg mit dem Begehren macht: Leila, die einzige Frau unter den Soldaten, trägt das Gesicht aller Geliebten – und muss sich als Mann verkleiden, um zu überleben. Weibliche Unsichtbarkeit und die Ökonomie der Liebe (»sie ist ein Geschäft wie jedes andere«) werden gegen Madschnuns absolutes Begehren gestellt. Am Ende übergießt sich Salam mit Benzin: ein letztes Zeichen gegen den Krieg und für die Liebe als einzige Form des...
Albert Ostermaier
