Die Kommunisten UND Suzanna Andler

Der Schmerz von Marguerite Duras, die vor 30 Jahren, im März 1996 in Paris verstarb, ist ein nachhaltig beeindruckendes Dokument der frühen Nachkriegstage aus Paris. Während die Franzosen, die Pariser, das Ende des Zweiten Weltkrieges und den Beginn einer neuen Zeit feiern, wartet die junge Marguerite Duras auf die Rückkehr ihres früheren Lebensgefährten aus einem deutschen KZ. Die Beschreibung der Rückkehr des Mannes, der zum französischen Widerstand gehört hatte und im Frühling 1945 bereits dem Reich des Todes anzugehören scheint, gehört zu einem der eindrücklichsten Texte der französischen Autorin, die vor allem mit ihrem autobiografisch geprägten Hiroshima, mon Amour weltweit bekannt wurde. Wer Der Schmerz gelesen hat, wird all ihre Texte anders lesen - auch Die Kommunisten, das noch frei ist zur deutschen Erstaufführung. 

Der Schmerz, die Unfähigkeit, zwischenmenschliche Nähe zuzulassen, erscheint nach der Lektüre von Der Schmerz in einem existenzielleren Licht: Suzanna Andler bezeichnet sich selbst als die meistbetrogene Ehefrau von Saint-Tropez. Seit der Geburt ihrer jüngsten Tochter Irene hat sich ihr Mann Jean von ihr entfernt. Jean ist Millionär. »Er, er hatte alle Frauen, die er wollte. Und ich hatte immer nur die Kinder«, resümiert Suzanna, die älteste Tochter wird bald erwachsen sein. Die Villa am Meer, die Suzanna für einen zukünftigen Familienurlaub für sie, Jean und die drei Kinder besichtigt, acht Zimmer, Terrasse, Park, Zugang zum Strand, kostet im Monat ein Vermögen. Suzanna Andler ist unentschieden, ob sie dieses Haus mieten soll, genau wie sie ihrem jüngeren Liebhaber gegenüber unentschieden ist: Michel ist Journalist und Suzannas erster Liebhaber, auch er betrügt seine Frau, hat Kinder. Es ist Winter an der Côté d’Azur, der Mistral weht, viele Bars und Restaurants haben geschlossen. Wie in einem goldenen Käfig sitzt sie in diesem Feriendomizil der Superreichen an der Côté d’Azur, spricht in diesem konzentrierten Konversationsstück mit Michel, ihrer Freundin Monique, telefoniert mit ihrem Ehemann und dem Kindermädchen und umkreist ihre Jahre mit Jean, ihre Leidenschaften, ihr Leben.
 
Marguerite Duras entwickelt in ihren existenziellen Kammerspielen eine Dramaturgie des Ungesagten, der Blicke, der verborgenen Ängste und Leidenschaften. Benoit Jacquot, einst Regieassistent der Schriftstellerin, Dramatikerin und Regisseurin Marguerite Duras, machte aus dem gleichnamigen Theaterstück seiner Mentorin 2021 ein elegantes filmisches Kammerspiel, mit der großartigen Charlotte Gainsbourg in der Titelrolle.
 

Marguerite Duras, 1914 in der ehemalige französischen Kolonie Giadinh/Indochina (dem heutigen Vietnam) geboren, studierte in Paris Jura und Mathematik, schrieb Romane, Dramen, Hörspiele und Filme und arbeitete als Fimregisseurin. Duras war im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Résistance. Weltberühmt wurde sie durch den Film Hiroshima mon amour, zu dem sie das Drehbuch schrieb. Duras starb 1996 in Paris.
Marguerite Duras, 1914 in der ehemalige französischen Kolonie Giadinh/Indochina (dem heutigen Vietnam) geboren, studierte in Paris Jura und...
Autorenfoto zu Marguerite Duras

Stücke


1 Dame/2 Herren
Ein beklemmendes, beinahe albtraumhaftes Kammerspiel: Mitten in der Nacht klopft an Steiners Tür ein Mann, der ein Freund sein könnte oder sein Todfeind. Der »Besucher«, der erst am Ende des Stückes...

2 Damen/2 Herren
Suzanna bezeichnet sich selbst als die meistbetrogene Ehefrau von Saint-Tropez. Seit der Geburt ihrer jüngsten Tochter Irène hat sich ihr Mann Jean von ihr entfernt. Jean ist Millionär. »Er, er hatte...