OST
OST sind drei weiße Buchstaben auf einem blauen Aufnäher, die die Mädchen aus der Sowjetunion im Munitionslager in Coswig / Anhalt als Ost-Arbeiterinnen ausweisen. Sie, die in der Schule die Internationale singen oder sich davor drücken würden, Schillers Handschuh vorzutragen, werden in Zügen deportiert, Halt in Coswig / Anhalt.
Die beliebte Lehrerin wird als Jüdin erschossen. Wolfram Höll spannt in OST einen geografischen Bogen von der Sowjetunion nach Ostdeutschland, einen zeitlichen Bogen von den Hungersnöten der 1930er-Jahre in der Ukraine unter Stalin über die frühen Jahre der DDR bis zur Gegenwart. Er skizziert das Leben junger Frauen: Mascha, Tonja, Olja als Zwangsarbeiter:innen, Hilda, Erika, Edith, die drei von der Flak, als Freiwillige im Krieg. Oder Bärbel, Musterschülerin in der DDR, die Schillers Handschuh fehlerfrei rezitiert, später in der Sowjetunion studieren darf – wo die gigantische Pipeline »Druschba« entsteht, an der Schlagerstar Frank...
Wolfram Höll
