Möblierte Dame
Sie ist eine Dame »mit Takt und Herzensbildung«. Manieren hat sie und Ansprüche, schließlich kommt sie aus gutem Hause und war früher als Buchhalterin einer großen Firma die rechte Hand des Chefs. Nun wohnt sie, im Berlin zwischen den Kriegen, möbliert, »(mit Küchenbenutzung) gegen Haushaltshilfe«. Gute Ratschläge gibt sie gratis dazu, nur zeigen die anderen keine Dankbarkeit dafür, wie sie unreflektiert bemerkt. Ihr Herz ist schwach, deshalb hat ihr ihr Arzt den Rat gegeben, Schonkost zu essen, kein Fleisch, kein Weizen und so weiter. Das hat sie so empört, dass sie zu einem anderen Arzt wechselte, der allerdings wegen einer Geburt keine Zeit für sie fand. Sie selbst hat keine Kinder: »Das ist aber auch das Einzige, was ich nicht durchgemacht habe. Sonst wollt’ ich, daß auf meinem Grabstein geschrieben wird: ›Ihr blieb nichts erspart‹.« So plaudert, klagt, lamentiert die alleinstehende Frau in mittleren Jahren, die große Stücke von sich hält, im Gespräch mit der Tochter des Hauses...