Doppelkopf
Mit fünfzehn war er Flakhelfer, im Betrieb macht er unaufhaltsam Karriere, sein Frauchen nennt er »Mutti«, sein Grinsen vergeht ihm nie: So einer ist der Angestellte Heinrich Hoffmann, Jahrgang 30, Firma Neugebauer GmbH, Motorblöcke etc., rechte Hand des dritten Direktors und als sein Nachfolger ins Auge gefaßt. Kann da überhaupt noch was schiefgehen? Das Betriebsfest im Mai, das könnte seine große Nummer werden, die Kür seiner Wendigkeit zwischen oben und unten. Die Polonaise anreißen, die Stimmung hochhalten, den Bierengpaß erkennen, mit den früheren Kumpels eine Partie Doppelkopf einlegen, am Direktorentisch einen Witz erzählen: Die Aufgabe scheint wie geschaffen für den Mann mit dem gediegenen Haarschnitt, von dem der alte Pförtner schon früh gewußt hat: »Der kommt hoch.« Aber woran liegt’s, daß die Nacht irgendwann umkippt? Liegt’s am Alkohol, liegt’s an der Schwüle, liegt’s an den Sternen?
Gerlind Reinshagen
