Friedrich Ani ist für seine Krimis und Drehbücher bekannt und preisgekrönt
Seine meisterhaften, tiefgründigen Seelendramen dürfen noch entdeckt werden
Am 14. Juli erhält Friedrich Ani den mit 10 000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadt München, der alle drei Jahre für ein literarisches Gesamtwerk verliehen wird. Im Falle Friedrich Anis sei das so vielseitig wie tiefgründig. Ani sei seit Jahrzehnten nicht nur als ein herausragender, origineller und vielfach preisgekrönter Krimi-Autor bekannt, sondern verfasse auch eindringliche Gedichtbände, Hörspiele, Drehbücher und Theaterstücke.
Als Dramatiker darf Ani noch entdeckt werden: Der Monolog Der Gefangene etwa erzählt die Geschichte eines Mannes, der den sozialen Ansprüchen seiner Frau und seines Schwiegervaters versucht gerecht zu werden, der ein guter Ehemann sein will und ein liebevoller Vater und an dessen Schweigen der eigene Sohn schließlich zerbricht. Mit Detailgenauigkeit und zärtlich-poetischen Bildern hat Ani ein Seelendrama geschrieben, das dem Leser nicht aus dem Kopf gehen wird. Das Stück ist frei zur Uraufführung.
Auch Freiheit des Willens erzählt ein Seelendrama: In einem kleinen Dorf in Oberbayern verschwindet eine junge Frau spurlos. Schnell scheint mit dem verhaltensauffälligen Simon Kohlbeck ihr Vergewaltiger und Mörder festzustehen. Doch die Verhöre durch den forensischen Psychiater Ehrenwirth und den undurchsichtigen Ermittlungsbeamten Sittich lassen Zweifel zu. Sittich wird vom Geist des Opfers, Elena Moldau, heimgesucht und man ahnt, dass ihn weit mehr mit dem Beschuldigten verbindet, als es zunächst den Anschein macht. Je tiefer der Leser dabei in die Abgründe der Psyche und in die Vergangenheit der Figuren hineingeführt wird, umso deutlicher treten deren Narben und Traumata hervor. Das Stück (Besetzung 1 D, 5 H, Besetzung variabel) ist ebenfalls frei zur Uraufführung.